Kino – American Sniper

Ein neuer Eastwood. Für mich Grund genug, im Zuge meines Neujahrsgelöbnisses, wieder mal ein Lichtspielhaus zu besuchen. 6-fach Oscar nominiert. Grossartiger Regisseur. Guter Hauptdarsteller. Die Story basiert auf wahren Ereignissen. Also ziemlich vielversprechend.

Der Film startet mitten im „Präventionskrieg“ auf einem Häuserdach. Wir sehen die „Legende“ Chris Kyle, der seine Jungs unten am Boden beschützt. Ein kleiner Junge kommt mit seiner Mutter aus einem Haus mit einer russischen Granate. Kyle muss schiessen um seine Kameraden zu beschützen. Mit dem Schuss folgt aber zunächst eine Rückblende nach Texas. Wir lernen die Kyle-Brüder kennen und sehen sie in einer christlichen Familie aufwachsen. Sein Vater duldet keine Versager. Für ihn gibt es drei Arten Menschen. Wölfe, Schafe, und Schäferhunde. Früh wird in Chris der Beschützer, der Schäferhund, geweckt. Als drittklassiger Cowboy schlägt er sich mehr schlecht als recht in Texas durchs Leben. Seine Freundin betrügt ihn. Er geht als 30-jähriger zu den Navy Seals und meldet sich freiwillig um sein Land zu verteidigen. Im Irak tötet er 160 Menschen. Aber rettet bzw. erhält das Leben vieler seiner Kameraden.
Und genau das ist die Geschichte. Nicht das unrechtmäßige und umstrittene Einrücken in den Irak. Es wird nicht über nichtgefundene Atomwaffen gesprochen. Es geht immer nur um den Antrieb Chris Kyles, immer wieder zurück in den Einsatz zu gehens um seine Leute zu schützen. Es geht auch, um das nicht Ankommen nach den Einsätzen. Die „Legende“ kann nicht eher ruhen, bis sein Gegenpart, der syrische Olympia-Sportschütze „Mustafa“, erledigt ist. Kyle wird scheinbar süchtig nach Krieg. Das wird meiner Meinung nach zu keiner Zeit von Eastwood glorifiziert. Lediglich seine Kameraden heben ihn auf ein Podest. Junge Soldaten fühlen sich an seiner Seite sicher. Darum muss er immer wieder dorthin zurück. Selbst als seine Frau ihm mit Trennung droht. Als zum Ende eine Kugel in Zeitlupe nach über 2000m ihr Ziel findet, wird diesem endscheidenden Schuss, die nötige Zeit gewidmet. Für Kyle endet die Suche nach dem weißen Wal und er kann Hause, was er seiner Frau auch direkt ,während des feindlichen Beschusses, mitteilt. Damit auch der Dümmste es rafft.

Und das ist der Film. Ihn als Propagandawerk darzustellen, halte ich für albern. Da hätte Eastwood vielmehr ausschlachten können.
Mehr Legolas-Momente. Mehr Pathos. Mehr Patriotismus. Natürlich wird’s zwischendurch patriotisch. Aber hey, das sind die Seals. Klar sind das glühende Patrioten. Was später im Schnitt, für den Trailer passierte, dafür kann Eastwood nichts. Dieser wurde hübsch zurecht gemacht. Und zeigt einen fürsorglichen Vater, den man im Film später nicht wirklich sieht.

Meine Kritikpunkte beziehen sich eher auf das Ende. Hier wird zum Schluss nochmal schwülstig Emotion aufgebaut. Eastwood zeigt eine heile Familie im übelsten Hollywood-Klischee. Damit man in der letzten Szene dann doch noch auf die Seite Kyles gezogen wird. Weil sympathisch ist mir der Kerl nie geworden.
Vielleicht bin ich da aber auch kein Massstab. Manche haben den Anti-Helden ja scheinbar gemocht. (Gala und Co.) Vielleicht war Cooper aber durch seine Sympathien (bei Gala und Co.) fehlbesetzt?!

Eastwoods schwächster Film, aber dennoch sein Erfolgreichster.
IMDB vergibt 7,4 von 10.
Einen „unbedeutenden“ Oscar gab es letztendlich für Bester Tonschnitt.

Der Film ist gut, hat aber seine Schwächen und wird seinen Oscar-Nominierungen nicht gerecht.
Aber dennoch. Wer sich für das Thema interessiert. Reingehen. Solange er noch läuft.
Cooper ist gut, Sienna Miller ist gut. Eastwood ist auch (leider nur) gut.
Von mir gibt es 3,5 von 5 Sternen.

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ill-lumi Verfasst von: